Why food?
Why food?
Viele von euch kennen wahrscheinlich die Trinkmahlzeit, die auf den sozialen Netzwerken kursiert. Das Ziel: unterwegs schnell gesund „essen“ zu können und seinem Körper dabei alle wichtigen Nährstoffe zu liefern. Ich möchte in diesem Beitrag nicht auf die Inhalte des Produktes eingehen. Vielmehr möchte ich dem schnellen „Essen“ (Nahrung als Belastung), dem gemeinsamen Familienessen (Nahrung als Genuss), gegenüberstellen und darüber aufklären, warum das Familienessen in vielerlei Hinsicht einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit leistet.
„Personen, die keinerlei spezielles Interesse teilen, können sich bei dem gemeinsamen Mahle finden – in dieser Möglichkeit […] liegt die unermeßliche soziale Bedeutung der Mahlzeit.“ (Simmel)
Simmel nimmt an, dass die Notwendigkeit eines jeden Menschen, essen zu müssen, einen Ausgangspunkt für Konflikt und Kampf darstellt. Ganz nach dem Motto „was der einzelne ißt, kann unter gar keinen Umständen ein anderer essen.“ (Simmler). Die menschliche Verbundenheit bei der Mahlzeit widerspricht aber dieser Annahme und ist „das Ergebnis eines langwierigen Kultivierungsprozesses“ (Helle, S.1).
Als der Mensch als Jäger auftritt, und sich in der Jagd vor allem auf größere Tiere wie Mammute und Büffel konzentriert, mussten kooperative Männerverbände gegründet werden, um diese Tiere zu erlegen. Da die Haltbarkeit des erbeuteten Fleisches sowie die Zahl der Menschen eines Stammes begrenzt war, wurde entgegen dem natürlichen Egoismus von Simmler das Essen feierlich geteilt (Helle, S. 280,281). Daraus begründet sich unsere heutige in vielen Familien verbreitete Tradition der gemeinsamen Mahlzeit.
Der Mensch ist ein soziales Wesen mit sozialen Bedürfnissen. Er benötigt ein soziales Umfeld, aus dem heraus er seine Persönlichkeit und Fähigkeiten entwickeln kann. Kontakte und Interaktion mit anderen Personen spielen eine zentrale Rolle im gesamten Lebensverlauf (Feldmann, Wolters, S.3,4). Am Familientisch werden diese grundlegenden sozialen Bedürfnisse berücksichtigt und gestillt.
Das gemeinsame Essen ist in vielen Familien zum Ritual geworden. Rituale geben vor allem den Kindern und Jugendlichen Sicherheit und eine Struktur im Alltag (Gugutzer, S. 10). Dadurch kann der Alltag entschleunigt und Stress reduziert werden.
Das gemeinsame Familienessen kann also auf vielen Ebenen gesundheitsförderlich sein. Auch wenn der Alltagsstress Angebote wie die schnelle Trinkmahlzeit für uns sehr attraktiv macht, sollten wir uns auch der gesundheitsförderlichen Aspekte des gemeinsamen Essens bewusst werden.
Auch Biologieunterricht und in der Schule allgemein kann das gewonnene Wissen umgesetzt werden. Zum Beispiel durch das Angebot von Mittagessen in der Mensa, dem gemeinsamen Essen im Klassenzimmer oder dem gemeinsamen Zubereiten von Essen. So können alle Kinder und Jugendliche eine soziale Verbundenheit bei der Mahlzeit und die Mahlzeit als Ritual erleben.
Fallen euch noch weitere Umsetzungsmöglichkeiten im Biologieunterricht ein?
Literaturverzeichnis:
Georg Simmel: Soziologie der Mahlzeit. In Georg Simmel: Brücke und Tür. Essays der Philosophen zur Geschichte, Religion, Kunst und Gesellschaft, im Verein mit Margarete Susman herausgegeben von Michael Landmann. Stuttgart, K.F. Koehler Verlag, 1957
Horst Jürgen Helle: Über die einende Wirkung des Teilens beim Essen Die Mahlzeit als Ausgangspunkt für soziale Beziehungen. Zobodat.at, o.O., 1984
Nina Feldmann, Timo Gerhard Wolters: Soziales Umfeld. Uni-oldenburg, o.O., 2015
Robert Gugutzer: Körper und Ritual Sozial- und kulturwissenschaftliche Zugänge und Analysen. Springer Verlag, Wiesbaden, 2015
Abbildungsverzeichnis:
Abbildung 1: Patricia Gollmer
Abbildung 2: https://image.freepik.com/fotos-kostenlos/hand-des-jungen-mannes-der-glas-wein-ueber-serviertem-tisch-waehrend-des-toasts-am-festlichen-familienessen-am-erntedankfest-haelt_274679-7441.jpg (abgerufen am 29.12.2021)
Abbildung 3: https://www.scinexx.de/news/medizin/kein-grund-fuer-steinzeit-diaeten-ohne-getreide/ (abgerufen am 29.12.2021)
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